Am nächsten Morgen kam der Autovermieter Peterson von Porto Car Hire wieder zum Hotel um unseren Mietwagen einen Toyota RAV4 4WD vorbeizubringen. Nach eigener Aussage hatte er in der Eile ganz vergessen den Vertrag mitzubringen, aber das sei ja kein Problem – er vertraue uns und wir können das ganze auch ohne Vertrag machen. Gesagt, getan. Das Geld für die 8 Tage wechselte auf der Rücksitzbank den Besitzer. Wir starteten unsere Tour in Richtung des ersten Ziels. Linksverkehr war am Anfang etwas ungewöhnlich, aber die ersten Kilometer waren schnell gemacht. Selbst ein plötzlich auf die Straße springender Betonpoller einer Baustelle konnte Mel nicht in ihrem Tatendrang stoppen und so gab es nur einen kleinen Knutscher für den linken Vorderreifen, der ohne Folgen blieb.

Schnell machten wir Bekanntschaft mit der berühmt-berüchtigten Mombasa Road. Überall LKWs und scheinbar scheint es eine Art StVO in Kenia auch nicht zu geben. Es wird gefahren, wie es eben gerade eben passt, überholt wird links und rechts und ständig wird irgendwo geblinkt. Naja, vielleicht bleibt später noch etwas Zeit um über den Straßenverkehr zu schreiben. Kaum waren wir aus dem Großraum Nairobi heraus, wurden wir auch schon von der Polizei gestoppt. Unser Autovermieter hatte uns schon instruiert und so taten wir unser Bestes, kein Englisch mehr zu verstehen und zu sprechen und redeten mit der Beamtin auf Deutsch. Das dummstellen fiel uns gar nicht so leicht. Uns wurde vorgeworfen im Überholverbot überholt zu haben – nachprüfen ließ sich das nicht wirklich, Verkehrszeichen sind in Kenia eh Mangelware. Die nette Beamtin verlangte 5000 Schilling von uns – etwa 40€. Nach 10 minütigem Deutsch reden, sie fand uns trotz unser nicht vorhandenen Englischkenntnissen sehr nett und Andreas ständigen Gestikulieren und seine leeren Hosentaschen zeigend, war die Dame mit den angebotenen 1000 Schilling (8€) zufrieden und wünschte uns eine gute Weiterreise.

Mel wollte die verlorene Zeit wieder aufholen und trat ordentlich auf das Gaspedal. So erreichten wir doch recht zügig den Nationalpark Tsavo West. Am Gate „schnell“ noch die 30$ pro Person bezahlt und die Gebühr für den Pkw und wir konnten einfahren. Der gesamte Prozess dauerte in echt doch etwas länger und so wurde jemand immer ungeduldiger. Das Gaspedal wurde gefühlt schon durch das Bodenblech getreten und so flogen die Tiere des Parks förmlich links und rechts an uns vorbei. Ein Hauptziel von uns war an diesem Tag das im Park gelegene Rhino Sanctuary – quasi ein Park im Park. Die Nashörner zu sehen, war unser Ziel, da diese zu den afrikanischen Big Five gehören und neben den Leoparden die am schwierigsten zu findenden Tiere sind.

Die Wege im Park waren natürlich nicht die besten und sehr staubig. So wurde es Mel irgendwann zuviel Off-Road und es sollte ein ganz besonderer Tag werden. Die Person, die zwar im Besitz eines Führerscheins ist, aber 20 Jahre kein Auto mehr gesteuert hat und nach der Fahrschule auf vielleicht 300km Fahrerfahrung zurückblicken kann (wenn überhaupt), klemmte sich hinter das Steuer des Toyota. Als ob er noch nie etwas Anderes gemacht hätte, lenkte Andreas das Gefährt souverän über die Schotter- und Sandpisten und so erreichten wir schließlich das Rhino Sanctuary.

Leider hat der Park im Park eigene Öffnungszeiten und die Zeit war echt knapp. Als wir die Frage der Wache am Tor, ob wir im Park übernachten würden, leider verneinen mussten, winkte er ab und zeigte uns den kürzesten Weg zum Haupttor. Der Park schließt 18Uhr und bis dahin muss man am Tor sein, sonst hat man Pech. Wir hatten einige Kilometer vor uns und die Geschwindigkeitsbegrenzung von 40km/h legte Andreas etwas großzügiger aus. So erreichten wir das Tor um 18:20 und ein Vorhängeschloss versperrte die Ausfahrt. Eine 20minütige Diskussion mit einer (inzwischen in zivil gekleideten) Rangerin entbrannte und letztendlich öffnete sie uns doch das Tor. Mel fuhr die letzte knappe Stunde wieder On-Road auf öffentlichen Straßen und wir erreichten erschöpft unsere Unterkunft – die Afrika Safari Lodge in Voi. Gut gestärkt und bespaßt von unserem Kellner Matthew, der uns sein (sehr gutes) Lieblingsbier Tusker Lager vorgeschlagen hatte, sanken wir in unser bequemes Bett.